The Merchant of Venice

In Shakespeares The Merchant of Venice geht es im Prozess der beiden Protagonisten Antonio und Shylock, der vor dem venezianischen Dogen geführt wird, um den ethischen Grundsatz 'Gnade vor Recht'. In der Vergangenheit hat es sehr unterschiedliche Darstellungen der Figur des Shylock gegeben, die Anlass zum Verdacht geben könnten, dass Antisemitismus im Spiel sei. So einfach macht es sich Shakespeare aber nicht in seinem problem play, das viele Kritiker zu sehr unterschiedlichen Einschätzungen im Hinblick auf Handlung und Charaktere veranlasst hat.       Er zeigt Shylock vielmehr als diskriminierten Außenseiter, der Rache nehmen will für die Kränkungen, die ihm widerfahren sind.

Eingebettet in eine typische Komödiensituation, die das erschwerte Zueinanderfinden von jungen Liebenden mit einer Heirat am Schluss zum Inhalt hat, findet sich hier ein revenge plot, der nicht in das Stück zu passen scheint und dennoch untrennbar mit dem übrigen Geschehen verwoben ist.

Komische Szenen wie die der eigenartigen Bewerber um die Hand Portias wechseln sich ab mit bewegenden Momenten, in denen Shylock Menschlichkeit fordert oder anderen Szenen, die Zuneigung und Liebe in unterschiedlichster Form zeigen.

Abweichend von anderen Dramen Shakespeares finden sich im Merchant keine echten Identifikationsfiguren, da alle Charaktere, was ihre Handlungsweise betrifft, nicht völlig akzeptiert werden können und dadurch allerdings auch typisch menschlich sind.

 

Nach Hamlet ist der Merchant eines der fünf am häufigsten aufgeführten Stücke Shakespeares, trotz der schwierigen Thematik. Doch gerade in der heutigen Zeit, in der Angst vor und Ablehnung von fremden Kulturen das weltpolitische Klima bestimmen, sollte eine Auseinandersetzung mit Vorurteilen und Rassismus geschehen.